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Was ist Online-Training?

Zu diesem Thema ist in den letzten Jahren viel Kluges und weniger Kluges verbreitet worden, und es wird mit Sicherheit noch mehr werden: Online-Training ist der Mega-Trend in der (Weiter)Bildung und wohl auch ein gutes Geschäft, und folgerichtig bringt "edu-commerce" immer mehr (und dabei auch dubiose) Anbieter hervor, vor allem im lukrativsten Marktsegment, dem Firmenschulungsbereich (aber vielleicht ist es auch nur das zweit-lukrativste, und das wahre Geschäft besteht darin, dass Online-Trainer Online-Trainer ausbilden, die Online-Trainer ausbilden, die Online-Trainer ausbilden... zumindest würde es mich nicht wundern).

Bevor ich selbst - in Zusammenhang mit meinem Hauptberuf - eine Weiterbildung zur Online-Trainerin bei einem britischen Institut mitgemacht und auf diese Weise einige Erfahrung gesammelt habe, konnte ich mir aber trotzdem wenig unter OT vorstellen bzw. habe mir das Falsche vorgestellt.

Ich hatte nämlich CBT im Kopf, aber

  • Online-Training (OT) ist nicht "CBT im Internet"! (und wenn doch, ist etwas verkehrt). Unter CBT (computer based training) verstehe ich dabei die bekannten Lernprogramme, meist auf CD-ROM dargeboten, die Lernstoff als programmierte Unterweisung darbieten und mit deren Hilfe z.B. PC-Anwendungen, Fremdsprachen, BWL-Wissen usw. vermittelt werden (sollen). "Sollen" deshalb, weil ich noch nie jemanden getroffen habe, der auf diese Weise dauerhaft etwas gelernt hätte, trotz der von ALDI und Co millionenfach unters Volk gebrachten Sprachenlernprogramme... oder wo verstecken sich all die polyglotten Leute??

    Auszug aus vhs-elbeforum-intern, Arbeitsplan VHS Brunsbüttel, Frühjahr 2001: "...Schulwissen, Allgemeinbildung, Fremdsprachen - alles soll der Computer vermitteln, sogar den Umgang mit einem Computer. Die CD-ROM macht´s möglich: Von Geisterhand bewegte Zeiger klicken Knöpfe und verschieben Bilder. Der Benutzer darf zusehen und hinterher Testfragen beantworten, die der Computer auswertet. Die Antwort war richtig: Hurra, Fanfare! Die Antwort war leider falsch: Quäk, schepper, tröt - nochmal! Gähn..."

    Viele OT´s, die via Internet verbreitet werden, sind nichts weiter als ins Web gekippte Lernprogramme: THEMA VERFEHLT!

Heute werden unter Online-Training häufig folgende didaktische Lernformen erfaßt:

  • "Tele-Learning": Über Internet werden Skripte, Literaturhinweise, Aufgaben usw. übermittelt, die dann unter Einsatz verschiedener Medien (WWW, CD-ROM, Bücher) bearbeitet werden. Der Lernende lernt, wann er mag; Feedback, persönliche Hilfestellung oder Lernerfolgskontrolle durch einen Lehrenden ist meist nicht vorgesehen. Der Unterschied zum CBT ist aus meiner Sicht die eingesetzte Medienvielfalt und die Anforderung an den Lernenden, sich den Lernstoff - jedenfalls teilweise - selbst zu erarbeiten, statt ihn nur zu konsumieren. Im Rahmen meiner Vorlesungen an der FHW werde ich zunächst (leider) nur diese Form praktizieren können.

  • "Tele-Teaching", also die Übertragung von Lernveranstaltungen (Vorlesungen usw.) über Internet. Dabei gibt es nur synchrone Lernphasen, d.h. der Lehrende und der Lernende sind gleichzeitig, nur nicht am gleichen Ort, anwesend. Einer direkten Kommunikation wäre das ja zuträglich, aber oft findet diese nur in einer Richtung - vom Lehrenden zum Lernenden - statt. So gesehen ist das Schulfernsehen im Dritten auch OT.

  • "Tele-Tutoring", also Lernen im Dialog mit einem Tutor, wobei dieser Dialog nicht notwendig synchron abläuft, sondern über ein Kommunikationsboard oder ein e-mail-System. Der Lehrende ist dabei nicht auf die Rolle des Materialverteilers beschränkt, sondern ziemlich stark gefordert und zugleich eher persönlicher Betreuer als ein "Dozent". Leider ist bei vielen Angeboten die Kommunikation zwischen den Lernenden nicht oder kaum vorgesehen, so daß diese Veranstaltungen schon irgendwie an Nachhilfestunden erinnern.

Online-Training, so wie ich es künftig praktizieren möchte, ist besser mit dem Begriff ACSCL umschrieben: Asynchronous Computer Supported Collaborative Learning (das A habe ich selbst hinzugefügt; meist wird die Abkürzung CSCL verwendet).

Asynchronous:

Lehrende und Lernende sind nicht gleichzeitig online; vielmehr arbeitet jeder dann im Netz, wenn er kann oder mag. Dabei können Aufgaben auch offline bearbeitet werden.

Computer Supported:

Der PC ist Werkzeug und Hilfsmittel, sonst nichts. Er ist das Medium, durch das Themen, Inhalte, Aufgaben, Diskussionen usw. übermittelt, visualisiert, gespeichert, bearbeitet und wieder übermittelt werden.

Dazu bedarf es eines Internetzuganges und einer im Netz für die Lerngruppe bereitstehenden Plattform. Einige Anbieter arbeiten mit speziellen Browsern, aber Voraussetzung ist dies nicht.

Nicht alle Inhalte kommen über das Netz: Die Teilnehmer benutzen durchaus auch Bücher! Damit wird den Tatsachen Rechnung getragen, daß bevorzugte Lernorte (Bett, Badewanne, U-Bahn...) häufig nicht über einen PC-Zugang verfügen, das Lesen vom Bildschirm eher unangenehm ist und das "haptische" Bedürfnis, den Lernstoff physikalisch zu besitzen und darin blättern, schreiben, knicken zu dürfen, bei vielen Menschen vorhanden ist. Fliegende Blätter aus dem Drucker können Bücher nicht ersetzen!

Collaborative:

Das ist der wichtigste Aspekt überhaupt! Die Lernenden bearbeiten Themen in Gruppen. Logisch, daß sich diese Gruppenarbeit nicht auf das gemeinsame Anschauen von Lehrfilmen oder das gemeinsame Lesen von Fachaufsätzen beschränken kann: Deshalb werden die Gruppen mit Lern- oder Arbeitsaufträgen versehen, die so viele interessante, kontroverse, aktivierende und motivierende Aspekte wie nur möglich aufweisen müssen, und damit sie auch wirklich zusammenarbeiten, wird reihum - etwa im Wochenturnus - ein Gruppenmitglied zum "Chef vom Dienst" erklärt, der die Gruppenaktivität in Gang hält, Beiträge sammelt und eine Zusammenfassung erstellt, die dann auch anderen, mit dem gleichen Problem befaßten Gruppen zur Verfügung gestellt wird.

Wenn alles gut läuft, kann sich der Tutor aus dem Lernprozeß heraushalten: Er ist über weite Strecken nicht Dozent, sondern Anreger und Moderator eines Gruppen-Lernprozesses. Indem Gedanken anderer Teilnehmer aufgegriffen und sukzessive weiterentwickelt werden, gelangen die Gruppen oft zu Erkenntnissen, die wesentlich vielschichtiger und tiefsinniger als diejenigen einer Einzelarbeit. Hierzu trägt vor allem der Asynchronismus der Bearbeitung bei, der damit nicht Nachteil, sondern Vorteil ist, denn Beiträge von Teilnehmern basieren nicht allein auf Spontaneität, sondern auf Überlegung, und beziehen dabei die Gedanken und das Erfahrungswissen anderer mit ein.

Ganz nebenbei werden durch CL auch die heute zweifelsfrei als immens wichtig eingestuften "social skills" Teamfähigkeit, Toleranz und Kooperations- und Kooperationsbereitschaft entwickelt und gefördert.

Es ist nicht unbedingt nötig, daß sich die Gruppenteilnehmer irgendwann auch "face-to-face" (f2f) kennenlernen; von der Quasi-Virtualität der Kommunikationspartner geht im Gegenteil sogar ein besonderer, kommunikationsfördernder Reiz aus. Wer schon einmal im Internet gechattet oder ein Diskussionsforum benutzt hat, weiß, was ich meine... wer nicht, sollte es einmal ausprobieren (zum Beispiel in meinem Forum -aber bitte erst weiterlesen)!

Learning:

Bei alledem handelt es sich um einen zielgerichteten Prozeß, der die Teilnehmer zum dauerhaften Erwerb von Wissen, Fähigkeiten, Fertigkeiten usw. führen soll. Welche Themen sich hier eignen und welche nicht, ist nicht unumstritten, aber Lerninhalte, die eine körperliche Erfahrung beinhalten (Schwimmen, Autofahren...), sind wohl nur in Kombination mit Präsenzlernphasen vermittelbar.

In einem ersten Projekt (also, liebe Leser, habt Gnade!!) habe ich eine kurze ACSCL-Sequenz zu einem volkswirtschaftlichen Thema entwickelt, die ich hier vorstellen möchte. Teilweise ist sie in englischer Sprache abgefaßt (bis auf einen Text, den ich nicht im Original gefunden habe). Wer sich das mal anschauen möchte, bittesehr: Hier ist mein VWL-Basics_Modul1. Auch wenn´s noch nicht richtig zu Ende gedacht ist: Es gibt so etwas wie ein Copyright, das zu beachten ist.

Lust auf Diskussion über OT? Es gibt auf dieser Seite ein Forum, in dem wir uns darüber austauschen können!


Darauf freut sich

Elke-Heidrun Schmidt
Dipl.-Ök., Online-Trainerin

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